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"Die beleibten Deutschen,
und wer bedauert das dünne Volk ?"
Wem gehört die Perle in der Auster ?
Kochkunst in der Klemme
Globalisierung – Ende
oder Bereicherung der heimischen Küchen?
Aceto
Balsamico - kulinarische Wunderwaffe in allen
Küchenbereichen !
200
Jahre Königreich Sachsen
Der
Henker bittet zu Tisch
Der
kurfürstliche Salzbann vor 225 Jahren
Aus
den Randnotizen der Koch - Kulturgeschichte
Carne
– vale, Fleisch ade, die Fastenzeit ist da
Ein süßer Geburtstag
- 160 Jahre Würfelzucker
Aus
Wald, Wiese uns Feld
Die
Kunst des Geschmacksgenusses
"Verbraucher seid wachsam!"
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05.04.2008
Globalisierung – Ende
oder Bereicherung der heimischen Küchen?
Die Essgewohnheiten
der einst als Abendland titulierten westeuropäischen Länder gehen auf einen
gemeinsamen mittelalterlichen Ursprung zurück,
teilweise sogar auf antike römische Esssitten.
Es ist kein Zufall, dass sich viele italienische,
französische, spanische, englische und deutsche
Küchenrezepte gleichen oder zumindest ähneln.
In der historischen Kochbuchliteratur gibt es dafür
profunde Beispiele.
Globalisierung ist zwar ein relativ moderner Sprachbegriff,
der Vorgang an sich ist Jahrtausende alt.
Lange bevor man an den gemeinsamen Markt dachte,
existierte bereits eine europäische Gemeinschaft
der Küche.
Schon immer standen Küchen und Kulturen in mehr
oder weniger intensiven überregionalen Kontakt.
Hauptsächlich Handels-beziehungen, Kriege, die
Rezeption fremdländischer Literatur durch Abschriften
und deren Übersetzung, die Entstehung des Buchdruckes,
Pilgerreisen, die Völkerwanderung, die Zeit
der großen Entdeckungen, Austausch von Köchen
oder die Hochzeiten zwischen dem europäischen
Hochadel, führten zum „Wandern von Kochrezepten“.
Mit der Entstehung der Nahrungsmittelindustrie, der
Entwicklung des modernen Verkehrswesens und der Erfindung
moderner Kühltechnik (Linde) ab der Mitte des
19. Jh., nahm die Verbreitung von Nahrungsmitteln
weltweit enorm zu.
Seit 1950 sind es vor allem der wachsende Massentourismus
und ab den späten 80iger Jahren des 20. Jh.
der Wandel von der Wohlstands- in die Erlebnisgesellschaft
in den sogenannten reichen Ländern gewesen,
infolge dessen sowohl „exotische“ Nahrungs-
und Genussmittel als auch fremdländische Gerichte
in den europäischen Küchen Einzug hielten.
Bereits in der Antike gelangte über das Skythenvolk
die Technik der Butterherstellung nach Griechenland
und von dort nach Nordeuropa.
Cato (234 – 149 v. Chr.) berichtet vom punischen
Brei, der aus Karthago übernommen wurde. Im
Apicius Kochbuch aus den 1. Jh. n. Ch. sind griechische
Speisen, aber auch pollum Parthicum und pollum Numidicum,
also Rezepte von den Parthern in Mesopotamien und
den Nubiern in Nordafrika vertreten.
Die Kreuzritter brachten unter anderem aus dem Orient
das Zuckerrohr und den Buchweizen mit. Damit lösten
sie gravierende Veränderungen in den mittelalterlichen
Rezepturen zumindest der Adels- und Klosterküche
aus (heidnische Speisen > Heidenbrei, Heidengrütze,
Heidenbrot).
Denken wir nur an die Bedeutung der Gewürze
wie Pfeffer, Muskat, Ingwer usw. für den Wandel
in der europäischen Kochkunst seit der Professionalisierung
des Gewürzhandels. Markus Rumpolt erwähnt
1581 in seinem „New Kochbuch“ zahlreiche
Gerichte auf böhmische, polnische und ungarische
Art zubereitet. Eulenspiegel bereitet als Koch gefüllte
Hühner auf welsche Art.
Die spanische Ollapodrida, durch die Jakobspilger
verbreitet, war an europäischen Fürstenhöfen
so beliebt, dass man extra dafür Terrinen anfertigen
ließ (August der Starke). Portugiesische Eierrezepte
finden sich bei la Varenne und schwedische Kochbücher
erwähnen im 19. Jh. das Blanco mancho, eine
spanische weiße Speise. 1822 wettert Rumohr
in seinem gastrosophischen Klassiker „ Geist
der Kochkunst“: Die neueren deutschen Kochbücher
sind leider nur eine Nachäffung der französischen...“.
Francois le Goulon, Leibkoch der Herzogin Anna Amalia
von Sachsen – Weimar – Eisenach, berichtet
1829 von den Märkten in Nürnberg, Leipzig
und Dresden, es gäbe dort selbstverständlich
Schinken aus Spanien, frische Perigord Trüffel,
Kaviar von der Gironde Mündung, Hummer aus der
Nordsee, französische Austern, italienischen
Käse > vor allem den Parmesan, französischen
Essig oder frische Früchte aus Dalmatien. Natürlich
hat die Globalisierung schon immer Einfluss auf die
regionalen Gerichte gehabt, und war zumeist eine
Bereicherung. Kaffee, Tee, Kakao, Bananen, Tomaten,
Ananas, Paprika, Kartoffeln, Mais, Reis, oder die
ganze Palette der Südfrüchte veränderten
die europäische Küchenwelt (und Wirtschaftswelt)
und prägten die Regionen auch hinsichtlich von
Kochtechniken und Geschmacksnuancen.
Viel zu oft wird vergessen, welchen Einfluss fremde
Küchen schon immer auf die eigenen Essgewohnheiten
hatten.
Das Wiener Schnitzel stammt aus der Lombardei (eigentlich
aus Byzanz), Blätterteig kommt ursprünglich
nicht aus Frankreich, sondern aus der Türkei,
schwäbische Maultaschen sind der russischen
Küche entlehnt und die Urform der deutschen
Rinderroulade ist englischer Herkunft > Globalisierung
pur.
Ersetzen werden die neuen Ernährungstrends von
Fast Food bis Sushi die traditionellen regionalen
Gerichte nicht, aber ergänzen, und damit verändern.
Es wird schmackhafte Kombinationen geben von traditionellen
Gerichten mit „fremden“ Spezialitäten.
Schon Omas Küche war im Vergleich zu ihren Vorfahren
verändert. Denn die traditionellen Hausgerichte
wachsen und verändern sich seit Jahrhunderten
mit den Generationen.
Sonst würden wir heute noch ums Lagerfeuer tanzen
und Steckerlfisch braten.
Und >> was ist uns heute nicht alles am Fremden
bekannt, und am Bekannten fremd.
Copyright
by Reinhard Lämmel
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R.L. |