| "Die beleibten Deutschen,
und wer bedauert das dünne Volk ?"
Wem gehört die Perle in der Auster ?
Kochkunst in der Klemme
Globalisierung – Ende
oder Bereicherung der heimischen Küchen?
Aceto
Balsamico - kulinarische Wunderwaffe in allen Küchenbereichen
!
200
Jahre Königreich Sachsen
Der
Henker bittet zu Tisch
Der
kurfürstliche Salzbann vor 225 Jahren
Aus
den Randnotizen der Koch - Kulturgeschichte
Carne
– vale, Fleisch ade, die Fastenzeit ist da
Ein süßer Geburtstag
- 160 Jahre Würfelzucker
Aus
Wald, Wiese uns Feld
Die
Kunst des Geschmacksgenusses
"Verbraucher seid wachsam!"
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17.01.2007
Aceto Balsamico - kulinarische Wunderwaffe in allen
Küchenbereichen !
Überall
das Gleiche - vom Feinschmeckertempel bis hin zur
Besenwirtschaft, es gibt kein Krümel Grünzeug,
meist Salatteller genannt, das nicht mit Aceto Balsamico
„veredelt“ wird. Falsch kann das erst
mal nicht sein, denn Aceto Balsamico ist ein edles
Produkt, ein Essig der besonderen Art. Seit langem
ist Aceto (Essig) ein Kulturgut der Menschheit. Schon
die Völker des Altertums, die alten Ägypter,
Babylonier, Inder, Griechen oder Römer wussten,
was aus Wein wird, wenn er lange genug Wärme
und Luft ausgesetzt ist, nämlich ein Würz-
und Konservierungsmittel, mit anderen Ingredienzien
vermischt ein Erfrischungsgetränk und nicht zuletzt
ein wertvolles Medikament. In mittelalterlichen deutschen
Kochvorschriften hieß Essig Agrest oder Verjus,
und wurde aus dem Saft unreifer Trauben gewonnen.
Unsere Altvorderen bekämpften mehr oder weniger
erfolgreich mit Essig die Pest, das Fieber, reinigten
Schlangenbisse mit Essig, behandelten damit Darmkrankheiten
und lagen nach damaligen medizinischen Erkenntnissen
prophylaktisch nicht völlig daneben. Kein
Wunder, dass der Beruf des Essigsieders im Mittelalter
ziemlich wichtig war. Essig wurde aber auch aus vergorenen
Sauerkirschen, Himbeeren, Maulbeeren, Holunder, beinahe
allen Kräutern, Blumen und Bier hergestellt.
Eine Besonderheit und geschichtsträchtiges Essigprodukt
ist der Aceto Balsamico – eine kulinarische
Rarität aus der Emilia Romagna. Natürlich
ranken sich darum historische Begebenheiten, die bis
in das Hochmittelalter reichen. Zur Kaiserkrönung
Heinrich III. in der Weihnachtszeit 1046 schenkte
ihm Herzog Bonifacio di Canossa ein Faß feinen
Essig – vermutlich Balsamico Essig. Die moderne
Geschichte des Balsamico beginnt allerdings erst mit
den Herzögen von Modena. Während der Renaissance
sollen diese ihr eigenes Essigelixier produziert haben,
den balsamico ducale (herzöglicher Essig), der
nicht nur in der Küche, sondern auch als medizinisches
Stärkungsmittel diente. Die Herzöge stammten
aus dem berühmten Haus der Este, das seinerzeit
aus Ferrara vertrieben wurde und im Jahr 1598 seinen
Wohnsitz nach Modena verlegte. Damals war Balsamico
Essig noch eine außerordentlich teure Kostbarkeit,
dass man seine persönlichen Reserven im eigenen
Testament nur besonders geliebten Erben vermachte.
Ebenso galt das Ingredienzio als wertvolle Mitgift
bei Hochzeiten. Balsamico ist kein Essig schlichtweg.
Er ist eine einzigartige Würzmischung, die viele
Gerichte großartig ergänzt. Wirklicher
Balsamico entsteht aus dem unvergorenen Most der süßen
Trebbianotrauben, den man sehr langsam in Kupfertöpfen
zu einem dicken Sirup einkocht, wobei dieser immer
dunkler wird. Früher setzte man diesem Sirup
Sauerteig in Form von Brot zu, oder eben einige Spritzer
Weinessig, um die Säurebildung in Gang zu setzten.
Aus dem Balsamico ducale wurde schließlich später
der balsamico tradizionale, der Echte. Im Alter wird
dieser immer besser und teurer. Die Reifezeit schwankt
zwischen 10 bis zu 100 Jahren, und findet in Holzfässern
aus Eiche, Kastanie, Kirschbaum, Esche, Maulbeer,
Robinie, Buche oder Wacholder statt, wobei mit der
Zeit die Fässer gewechselt werden, um das Aroma
möglichst vieler Holzarten in den Essig zu übertragen.
Solch alter Balsamico ist preislich mit Kaviar oder
Trüffeln identisch. Ein paar Tropfen genügen,
um Salaten und Saucen einen unvergleichliche Geschmack
zu geben. Kreative Köche verwenden Aceto Balsamico,
um sich weiter in der Entdeckung neuer lukullischer
Ziele zu erproben, beispielsweise bei der Herstellung
von Süssspeisen, die mit Früchten in Verbindung
stehen. Aceto Balsamico ist nicht nur Würzmittel.
Er ist eine interessante Variante im Bereich der Aperitifs
und Digestifs, die Feinschmecker durchaus als Alternative
zu den bisher üblichen Gepflogenheiten akzeptieren.
Echter Balsamico hat eine dickflüssige Konsistenz,
eine leuchtend dunkelbraune Farbe, einen intensiven
Duft und einen angenehmen süßlich-sauren
Geschmack. Nachahmungen sind wie bei allen schönen
Dingen heutzutage üblich. Vorsicht: Aus simplen
Rotweinessig mit Zuckercouleur vermengt, taucht Balsamico
Essig oft in den Gewürzregalen der Feinkosthändler
auf, ist aber immer nur ein durchaus nicht billiger
„Ersatz“, darauf sollte man unbedingt
achten.
Copyright
by Reinhard Lämmel
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R.L. |