REINHARD LÄMMEL

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24.03.2004
Der kurfürstliche Salzbann vor 225 Jahren

Heute ist Salz ein billiges Würzmittel, dass zudem angeblich Glück bringt, wenn man es sich vor dem eigentlichen Würzen der Speisen lässig über die linke Schulter wirft. Vor allem ist es lebensnotwendig. Tiere scheinen einen automatischen Kochsalzmesser intus zu haben, um ihren Bedarf zu regulieren. Sie finden auf Anhieb ihre Salzlecke. Der Homo sapiens verfügt dagegen nicht über geografisches Salzfeeling. Nur Eskimos und einige andere Völker scheren sich in keiner Weise darum. Sie decken ihren Salzbedarf ausschließlich durch Fleischverzehr und sind die eigentliche Ausnahme. Weil aber sonst ohne Salzzusatz bei den meisten Menschen gar nichts in der Ernährung geht, musste man sich wohl oder übel kümmern. Tütensalz bei Lidl, Netto oder Aldi gab es noch nicht. Nach einigen Wochen Salzentzug droht unserem Kreislauf immerhin der sichere Kollaps. Zeitweise erhielten die weißen Kristallkrümel deshalb den Wert von Goldnuggets. Mal ehrlich: Darauf kann man schließlich verzichten, ohne Salz aber nicht leben. Im römischen Reich der Kaiserzeit beinhaltete die Löhnung der Truppen deshalb nicht nur Münzen, sondern auch Salz. In diesem Zusammenhang steht der italienische Begriff für Münze ( nämlich Soldo gleich Salz ), aber auch das Salär für Gehalt. Die Salzsteuern in den europäischen Ländern des 16. Jahrhunderts waren enorm hoch und Mindestabnahmen vorgeschrieben. Manchmal wusste der einfache Mann gar nichts damit anzufangen, weil ihm die eigentlich zu salzende Nahrung fehlte. Seit jeher galt Salz als Symbol von Macht, aber auch von Gastfreundschaft. Um dessen Besitz und Handelskontrolle hatten die Völker immer wieder ernsthaft Zoff miteinander. Aber Salz war vor allem auch immer ein probates Mittel zur Regulierung der Staatsfinanzen durch Steuern. Obwohl kein zweites „Lebensmittel“ in so gigantischen Vorräten auf Mutter Erde zur Verfügung steht, blieb es immer rar und heiß umkämpft. Sachsen war ein salzarmes Land. Wohl deshalb war das erste Schiff auf der Elbe sicherlich ein Salzschiff. Es brachte die kostbare Fracht von den Förderstätten in Halle nach Dresden ins Salzhaus oberhalb des heutigen Terrassenufers. Schon im Jahr 1361 begnadete Markgraf Friedrich der Strenge Dresden mit dem freien Salzschank und damit zum alleinigen Salzhändler im Lande. Von hier aus gingen auch die Salzlieferungen ins Böhmische. Sächsische Städte mussten ihren Bedarf aus diesem Salzhaus, der sogenannten Salzkasse beziehen, was sich positiv im Dresdner Steuersäckel bemerkbar machte. Fairerweise sei gesagt, der Kurfürst dachte dabei auch an die Kommune. So gab es in Kamenz (genau wie anderswo in Sachsen) einen Salzmarkt, der natürlich von der Dresdner Salzkasse bestückt werden musste. Einzige Auflage des Landesvaters war, die Salzsteuer musste der Verzierung und Erhaltung der einheimischen Gebäude dienen. 1579 kam das Amt Artern zum Fürstentum Sachsen hinzu. Ein Jahr danach kaufte Kurfürst August I. die dortige Saline zum Preis von 40 000 Gulden, um sie 5 Jahre später zum gleichen Preis wieder an die Schwarzburger Grafen abzutreten. Ob sich dahinter ein betriebswirtschaftlicher Coup verbarg sei dahingestellt. Von nun an bestand in Sachsen ständiger Salzmangel. Die Hallische Saline gehörte derzeit dem Erzbistum Magdeburg und entsprechend den Ergebnisse des Westfälischen Friedens von 1648 dem Kurfürsten von Brandenburg. Der legte natürlich auch die Preise fest. Zwar lieferte die inzwischen wieder zu Sachsen gehörende Saline Artern ab 1723 weißes Gold, aber Kursachsen bezog zudem teures Salz aus Halle und Seesalz aus Portugal, das als Baysalz über Hamburg auf der Elbe nach Dresden kam. Wegen seines dunklen Aussehens musste es hier erst umgesotten werden, sonst taugte es nur zum Pökeln. 1727 erinnerte ein alter Bergmann August den Starken an ehemalige erfolglose Solebohrungen in Kösen. Der reagierte schnell und diesmal wurde man fündig. Ab 1731 produzierte Kösen erstklassiges Salz. Es kam aber noch besser. Ein gewisser Borlach hatte den Kurfürst 1744 überreden können, beim Rittergut Dürrenberg in der Nähe von Leipzig nach Salz zu suchen. Das gelang erfolgreich und 1765 verließ das erste Salz die Dürrenberger Pfannen.
Mit den Salinen Artern, Kösen, Dürrenberg und einigen kleineren wie Kötzschau und Teudlitz, deckte Sachsen seinen Salzbedarf Ende des 18. Jahrhunderts aus eigener Kraft.
Jetzt konnten Köche, Hausfrauen, Hochzeitspaare und Gastwirte Salz wieder nach Herzenslust als Glücksbringer verstreuen, wäre da nicht der Staat, also der Kurfürst gewesen. Im Jahr 1778 erließ Friedrich August III. einen Salzbann für die Dresdner Bürger. Danach musste jede Person ab einem Alter von 10 Jahren der Salzkasse jährlich 2 Metzen Salz abkaufen, natürlich zu gesalzenen Preisen. Sachsen als ehemaliger Hauptabnehmer der Hallenser Saline senkte den Import bis 1781 jährlich von einst 3200 auf nur noch 72 Tonnen.
Damit begann das Aus für die Halloren. Auf Interventionen des brandenburgischen Kurfürsten hinsichtlich des klaren Embargoverhaltens reagierte der Dresdner Hof mit
genüsslichem Gähnen. So clever sich der Kurfürst diesbezüglich auch gab, als 1815 beim Wiener Kongress infolge der Befreiungskriege die Beute verteilt wurde, stand Friedrich August III., seit 1806 sächsischer König (I.), auf der verkehrten Seite. Die Saline Dürrenberg ging an Preußen und eine wichtige finanzielle Quelle für die sächsischen Staatsfinanzen verloren.

Wenn Sie mehr Informationen benötigen, schicken Sie eine Email (info@kulinarische-audienz.de)

R.L.

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