| "Die beleibten Deutschen,
und wer bedauert das dünne Volk ?"
Wem gehört die Perle in der Auster ?
Kochkunst in der Klemme
Globalisierung – Ende
oder Bereicherung der heimischen Küchen?
Aceto
Balsamico - kulinarische Wunderwaffe in allen
Küchenbereichen !
200
Jahre Königreich Sachsen
Der
Henker bittet zu Tisch
Der
kurfürstliche Salzbann vor 225 Jahren
Aus
den Randnotizen der Koch - Kulturgeschichte
Carne
– vale, Fleisch ade, die Fastenzeit ist da
Ein süßer Geburtstag
- 160 Jahre Würfelzucker
Aus
Wald, Wiese uns Feld
Die
Kunst des Geschmacksgenusses
"Verbraucher seid wachsam!"
Startseite
Impressum |
24.03.2004
Aus den Randnotizen der Koch - Kulturgeschichte
Knoblauch
: Tanz der Vampire und Graf Brühl
Nichts hilft gegen Knoblauchgeruch, weder mit Salzsäure
gurgeln, einen Eimer Cognac trinken, bündelweise
Petersilie essen oder eine Tüte Kaffeebohnen
zu kauen.
Der große Romancier Dumas vermerkt 1873 in seinem
Küchenlexikon, jedermann kennt Geruch und Geschmack
des Knoblauchs mit Ausnahme dessen der davon gegessen
hat.
Knoblauch kann ein Essen verderben, aber auch Vampire
vertreiben.
Der Mythos klärt sich auf:
Wenn sich in Gruselfilmen um Mitternacht auf dem Gemeindefriedhof
der Sargdeckel in einer Gruft öffnet, geht Gevatter
Vampir auf Nahrungssuche. Sein Albtraum ist der bloße
Anblick oder auch nur der Hauch von Knoblauch. Entsetzt
flieht dann der Blutsauger, um sich anderswo ein Opfer
zu suchen. Hinter dem Mythos steckt erstaunlicherweise
eine biochemische Wahrheit. Vampire und Werwölfe
sind keine reine Erfindung, sondern übersteigerte
sinnliche Wahrnehmungen im Verlauf eines bestimmten
Leidens, der Porphyrie.
Eine schlimme Erbkrankheit mit Störungen der
Blutzusammensetzung. Blutarmut, Epilepsie, Blässe,
starker Haarwuchs, aufgesprungene Lippen, rot verfärbte
Zähne und Verstümmelungen an Fingerkuppen
und Ohrläppchen sind die Folge. Zu allem Überfluss
sind solche Menschen auch noch lichtempfindlich. So
sehen perfekte Vampire aus. Sind Haarwuchs und Vernarbungen
besonders ausgeprägt, mag auch ein Werwolf dabei
herauskommen. Auffällig häufig tritt das
Unheil in einsamen Gegenden auf. Aus solch einer gottverlassenen
Abgeschiedenheit stammt auch die Dracula Story. Porphyrie
Patienten waren arm dran und konnten sich einst nur
durch trinken von Tierblut helfen, scheuten das Tageslicht
und kamen erst Nachts aus ihren Häusern. Alles
zusammen, Aussehen, Bluttrinken und Nachtaktivität
sind der ideale Nährboden für Vampirgeschichten.
Einige Schwefelverbindungen im Knoblauch stören
Aufbau und Funktion des roten Blutfarbstoffes und
fördern dessen Abbau. Für die meisten Menschen
ein harmloser Effekt. Aber Porphyriekranke meiden
rein gefühlsmäßig Knoblauch wie der
Teufel das Weihwasser.
Eine grausige Entscheidung:
Am 5.6.1755 wurde auf dem städtischen Richtplatz
in Dresden, dem Rabenstein, ein gewisser Herr Zeibig
enthauptet. Dieser hatte in Trunkenheit einen Mitzecher
ermordet.
Vor der Exekution richteten zwei Altgesellen der hiesigen
Schneiderbrüderschaft an den Reichsgrafen und
Premierminister Heinrich von Brühl ein Ersuchen.
Darin heißt es, ihr Mitgeselle Wiedemann leide
stark an Epilepsie (und wahrscheinlich an Porphyrie).
Um ihm Heilung zu ermöglichen, solle Brühl
gestatten, dass Wiedemann gleich nach der Hinrichtung
vom Blut des Delinquenten trinken dürfe. Der
Reichsgraf stimmte der Bitte zu und das Unglaubliche
geschah. Wiedemann trank und sei danach fortgelaufen.
Ob sein Leiden dadurch gelindert wurde ist nicht überliefert.
Abstrus bleibt jedoch die Zustimmung des Grafen Brühl,
derzeit mächtigster Mann in Sachsen, verwegen
als Diplomat, skrupellos als Steuereintreiber und
Auskenner in allen Lebenslagen.
Solche Art Spätkannibalismus fand in Sachsen
aber noch Anfang des 20. Jahrhunderts statt.
Am 24. Juni 1908 berichtete der Freiberger Anzeiger
über die Hinrichtung der Mörderin Grete
Beier tags zuvor. Eine riesige Menschenmenge wollte
dem Ereignis zusehen. Öffentliche Exekutionen
zogen schon immer Spanner an und galten früher
als Volksfeste. Eine ältere Frau habe die Gerichtsbeamten
um eine kleine Menge Blut nach Vollstreckung des Urteils
gebeten. Das Blut von Hingerichteten sei nämlich
von großer Heilkraft bei Epilepsie.
Völlig aus der Luft gegriffen ist Vampirismus
also doch nicht. Hätten sowohl Zeibig als auch
Frau Beier vor ihrer Himmelfahrt eine handvoll Knoblauch
gegessen, wäre das Grausige sicherlich nicht
passiert.
Wenn
Sie mehr Informationen benötigen, schicken Sie
eine Email (info@kulinarische-audienz.de)
R.L. |