REINHARD LÄMMEL

 

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13.11.2002
Aus Wald, Wiese und Feld
(Original v. 1994)

Sie sind allgegenwärtig, hocken auf Käse und Blumen, Kartoffeln und Marmelade, machen das Brot locker und den Joghurt sauer. Ohne sie gäbe es weder Bier, noch Schnaps oder Wein.
Still und stumm stehen sie im Wald, auf Wiesen und in der Heidelandschaft, die ganze Vielfalt der Pilze.
Von Alexandre Dumas wissen wir, dass ihn nichts mehr in Angst und Schrecken versetzte als Pilzgerichte.
Tatsächlich sind nicht wenige ungenießbar, andere wieder Wunderheiler und einige regelrechte Mittel für eine Fahrt ins Reich der Halluzinationen.
Nur knapp ein Dutzend Sorten hat in den Küchen der Feinschmecker Karriere gemacht, und dabei gehören Pilze zu den ältesten Pflanzen überhaupt.

Genauso historisch ist die Liste der Pilzopfer, in der die Prominenten geführt werden, wie der römische Kaiser Claudius.
Papst Clemens VIII. (gest.1534) verbot die Zubereitung von Pilzen in den Küchen des Vatikan.
Schon 200 Jahre züchten die Chinesen Shitake Pilze. In Europa erntete der Franzose Oliver de Serres die ersten Champignons vom Frühbeet zur Zeit Henri IV., der bekanntlich jedem seiner Untertanen am Sonntag ein Huhn in den Kochtopf wünschte.
Erste Zuchtchampignons wuchsen in den Gewächshäusern von Herrn La Quintinie, dem obersten Gärtner am Hofe des Sonnenkönigs.
Kommerziell erfolgreich wurden Champignons aber erst im frühen 19.Jahrhundert in den Katakomben von Paris angebaut, mit viel Pferdemist, wie Heinrich Zinken's Ökonomisches Lexikon für Haus , Küche und Keller berichtet.

Im Laufe der Zeit änderte sich hin und wieder die kulinarische Wertigkeit der Pilze.
Noch im Mittelalter und der Renaissance gehörten Pfifferlinge zum Gesindeessen und waren keinen Pfifferling wert. Heute sind sie Edelpilze wie die Morcheln, die im Pilz - Gotha gleich der Trüffel folgen. Der eigentliche Wert der Pilze ist ihre Würze, das oft sensationelle Geschmacks-Happening und ihr attraktives unverwechselbares erdiges Aroma.

Kein Wunder also, wenn wild entschlossene Pilzsammler immer wieder mit Körbchen, Messer und Pilzbilderbuch durch's Unterholz streifen. Es sind diejenigen, vor denen sich Dumas fürchtete.

Aber das schmackhafte Pilzgericht aus eigener Sammlung lohnt die Strapazen allemal, vorausgesetzt, man hat ungiftige Pilze erwischt.

R.L.

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